Der Schulz-Effekt: Warum ist der Kanzlerkandidat so beliebt?

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Die politische Lage weltweit wird derzeit komplett auf den Kopf gestellt. Die Briten planen im Eiltempo den Austritt aus der EU. In Frankreich gewinnt die rechts-konservative Front National weitere Wähler für sich und in den USA möchte Präsident Trump die Mauer an der mexikanischen Grenze errichten. Wenn in Deutschland in diesem Jahr am 24. September die Bundestagswahlen stattfinden, könnte es auch in der Bundesrepublik zu einem politischen Wechsel kommen. Glaubt man den aktuellen Wahlprognosen, so verzeichnet die SPD in letzter Zeit einen rapiden Anstieg bei den Wählerstimmen. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 gewinnt die Partei mehr als 5 Prozent. Experten verbinden diesen Zuwachs mit dem Führungswechsel an der Spitze der Partei. Statt Außenminister Sigmar Gabriel schicken die Sozialdemokraten den ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz (61) als ihren Kanzlerkandidaten ins Rennen. Auffällig ist, dass der neue Parteivorsitzende das geschafft hat, was sein Vorgänger verpasste: Er begeistert Wähler für seine Partei und steigert außerdem sein eigenes Ansehen. Woran das liegt, haben wir im Folgenden aufgeführt.

Sein Auftreten

Politiker werden in den meisten Fällen dafür kritisiert, dass sie in ihrem Auftreten zu wenig Emotionalität ausstrahlen. Sie vertreten zwar ihrer Partei gegenüber eine klare Position, möchten in ihrem öffentlichen Auftreten aber nicht anecken oder sogar als populistisch gelten. Genau an diesem Punkt beginnt die Erfolgsgeschichte von Martin Schulz. Der SPD-Politiker und sein Team wissen genau, wie sie einen Effekt beim Wähler erzielen können. Emotionalität und Authentizität spielen dabei eine große Rolle: Schulz hält seine Meinung in den wenigsten Fällen zurück. Er kommuniziert in rhetorisch ansprechender Form und in einer kontrollierten, aber sehr direkten Art. Das durften in der Vergangenheit schon diverse EU-Politiker erfahren: So verwies er einen griechischen EU-Abgeordneten aus der Versammlung, weil dieser sich rassistisch über türkische Staatsleute geäußert hatte. Dabei blieb Schulz zunächst sachlich und direkt, während es im Parlament auch Proteste gegen die Aktion gab. Schulz empfahl einem aufgeregten Politiker daraufhin Beruhigungsmittel.

 

Das lässt den SPD-Politiker authentisch wirken und macht ihn gerade beim Publikum beliebt. Außerdem stellt sich Schulz so in den direkten Kontrast mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, die häufig sehr neutral wirkt.

Seine Vergangenheit

Des Weiteren punktet Martin Schulz mit seiner authentischen Lebensgeschichte. Ohne Abitur und nach einem Jahr ohne Beruf beginnt der in Eschweiler geborene Schulz seinen beruflichen Werdegang als Buchhändler.  Während dieser Zeit bekommt er ein drastisches Alkoholproblem, das er nur schwierig in den Griff bekommt. Seit 1980 lebt Schulz dann aber komplett abstinent. 1987 wird er mit 31 Jahren der jüngste Bürgermeister Nordrhein-Westfalens. Der SPD-Politiker kämpft sich weiter nach oben, bis er schließlich 2012 zum Präsidenten des Europaparlaments gewählt wird. Seine nicht ganz lupenreine Vergangenheit spricht Schulz in seinen Reden unverblümt an und gibt klare Antworten, wenn Fragen diesbezüglich aufkommen. Ein weiterer Pluspunkt ist die Tatsache, dass Schulz bisher noch keine Ämter in der Bundesregierung eingenommen hat und dadurch auf die Wähler als frei und ohne Vorbelastung wirkt. Doch sind das die einzigen Gründe, warum der Politiker derzeit so beliebt ist?

Seine Medienaffinität

Der Hauptgrund ist ein vollkommen anderer: Martin Schulz ist medientauglich und versteht zudem wie wichtig das richtige Auftreten in den sozialen Netzwerken in der heutigen Zeit ist. Sein Twitter-Account existiert seit fast zehn Jahren. Damit ist Schulz einer der ersten Politiker, die das Potenzial der Plattform erkannten. Bei Twitter hat er mehr als 360.000 Follower, seine Facebook-Seite wurde von 300.000 Fans geliked. Dadurch erreicht er besonders die junge Zielgruppe, die in den letzten Jahren häufig als politikverdrossen oder uninteressiert betitelt wurde. Er kennt die Trends und Entwicklungen im Netz und nutzt diese aus, ohne zwangsläufig eine direkte Interaktion mit seinen Anhängern einzuleiten. Trotzdem macht ihn dieser Fakt greifbarer für die Wähler.

Seine Chancen

All diese Punkte führen zum derzeitigen Hoch der SPD und ihrem Kanzlerkandidaten. Ob dieser Aufwärtstrend weiter anhalten wird, bleibt abzuwarten. Bisher hat Martin Schulz noch keine offiziellen Wahlprogrammpunkte öffentlich gemacht. Lediglich seine Abneigung gegen die Agenda 2010 ist klar zu erkennen. Sollte sich Schulz im Laufe des Wahlkampfes zu bestimmten Diskursen positionieren, ist durchaus damit zu rechnen, dass der derzeitige Hype um die SPD zum Erliegen kommt oder im schlimmsten Fall sogar zu einem Negativtrend führt. Die SPD bleibt allerdings trotzdem in der öffentlichen Berichterstattung verankert und kann davon profitieren. Klar ist aber eines: Der Bundestagswahlkampf dürfte mit Martin Schulz um einiges spannender werden, als in den letzten Jahren.

(von Martin Poppe)

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