Telefonieren? – Nur noch mit meiner Jeansjacke

Ein Wisch über den Jackenärmel und das Telefonat beginnt. Ein Wisch in die Gegenrichtung und das Gespräch ist beendet. Ob im Büro oder auf dem Fahrrad: Mit der „Commuter Trucker Jacket“ muss das Smartphone bei Bedarf nicht hektisch aus der Tasche genestelt werden. Die von Google und Levi’s entwickelte Jeansjacke verfügt über eine smarte Manschette am linken Ärmel, über die sich das per Bluetooth gekoppelte Smartphone in der Jackentasche mit einfachsten Gesten bedienen lässt.

In den Ärmelstoff eingewobene leitfähige Drähte registrieren Berührungen und übertragen diese auf die Manschette, die mit dem Smartphone in der Tasche verbunden ist. Eine vorinstallierte App erkennt die ausgeführte Geste und führt den damit verbundenen Befehl aus. Mit einem Wisch über den Ärmel oder einem leichten Klopfen auf die Manschette, kann in Sekundenschnelle ein Anruf abgelehnt oder der nächste Song von der Playlist abgespielt werden.

Alltagshelfer oder unnötiges Gadget?

Praktisch, vor allem beim Fahrradfahren: Die Hand muss nur wenige Sekunden vom Lenkrad gelöst werden, um die Manschette zu bedienen. So können Unfälle verhindert werden, die immer wieder durch Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr geschehen. Leser eines Beitrags auf heise online äußern jedoch Zweifel an der Tauglichkeit. Sie kommentieren: „Unpraktisch – normal krempel ich die Ärmel hoch“ oder „Wozu? Dafür habe ich Headset und Sprachsteuerung“. Unrecht haben sie nicht. Das Projekt von Google und Levi‘s stößt tatsächlich recht schnell an seine Grenzen.

Trotzdem zeigt es, dass die Technisierung auch vor der Mode keinen Halt macht. In wenigen Jahren wird die Modeindustrie noch viel stärker mit Marken wie Google kooperieren. Denn neben der Jeansjacke werden in dem Projekt Jacquard by Google weitere Kleidungsstücke mit berührungsempfindlichen Stoffen entworfen. Zudem kündigte der Konzern bereits an, die Gesten und Features der Manschette laufend zu erneuern und anzupassen. Und Gegenüber früheren eher klobigen Prototyp-Modellen, die versuchten Technik mit Mode zu vereinen, handelt es sich bei der Jeansjacke um ein alltagstaugliches Kleidungsstück. Die Trucker Jacket ist nicht nur waschbar, sondern sieht auch gut aus.

Pendant zur Fashionweek

Das Interesse an technikkompatibler Kleidung ist groß: In Berlin findet seit 2015 jährlich die Fashiontech statt. Designer und junge Kreative präsentieren dort die neusten Kollaborationen aus Technik und Fashion. Die Süddeutsche Zeitung berichtet von Mode aus der Zukunft: Eine Jacke misst den Blutdruck ihres Trägers und ein Schlafanzug überwacht per Sensor seinen Schlaf. Sensoren sind klein, sie fallen kaum auf und können somit in Kleidung eingenäht werden, ohne der Optik oder der Nutzungsweise zu schaden. Neu ist diese Idee nicht: Bereits in Fitnessarmbänder und Smartwatches sind die kleinen Plättchen verbaut. Allerdings sind die Möglichkeiten dieser Entwicklung noch nicht vollends ausgeschöpft.

So könnte in Kleidung integrierte Technik nicht nur im Privatleben zum Einsatz kommen, sondern beispielsweise das Gesundheitswesen unterstützen. Denkbar wäre eine Krankenakte, die regelmäßig durch Daten zum Herzrhythmus und der Körpertemperatur gespeist wird, die die Sensoren in der Kleidung sammeln. Ob sich Produkte wie die Jeansjacke von Google und Levi’s als geläufig und selbstverständlich am Markt etablieren, lässt sich schwer beurteilen. Der Grundstein für diese Entwicklung ist jedoch bereits gelegt – technischer Fortschritt mit Stil.

[Amelie Szameit]

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