Was nichts kostet, ist viel wert!

In einer russischen Mall steht ein Fotoautomat. Ein großer Touchscreen, wie er auch in deutschen Einkaufszentren zu finden ist. Wer mag, kann dort Schnappschüsse machen und sie in putziger Sofortbild-Optik ausdrucken. Das allein wäre wohl kaum eine Erklärung dafür, dass überall im Netz Bilder des Gerätes auftauchen, zumeist mit bissigen Kommentaren versehen. Der Clou des Gerätes: Für kleinen Rubel lässt sich positives Instagram-Feedback kaufen – direkt vor Ort und ohne großen Aufwand, dafür in beachtlichem Umfang. Für nur 89 Cent lassen sich 100 Likes auf der Plattform erstehen. Wer ein wenig tiefer in die Tasche greift, kann gleich die Anzahl seiner Follower in die Höhe treiben. Für 850 Euro Insta-Automatsoll es stolze 150.000 davon geben. Den größten Aufschrei rund um das Thema gab es bereits 2014, als deutlich wurde, dass einige Accounts weit jenseits ihres organischen Wachstums an Followern gewannen. Instagram  reagierte und schwang den sogenannten Ban-Hammer, prügelte Fake-Accounts und Bots rigoros von der Plattform. Über Nacht verlor Justin Bieber 3,5 Millionen Follower und auch andere Primadonnen mussten sich vom einen oder anderen Anhängsel verabschieden. Ein Jahr später, 2015, belegte eine Studie, dass mindestens acht Prozent der Accounts noch immer Bots waren, vermutlich sogar deutlich mehr. Erwerben kann man diese auch heute leicht: Von überbordenden Websites mit blinkenden Animationen über professionelle Online-Shops mit attraktiven Oberflächen – verschwunden ist der Handel mit der käuflichen Sympathie 2017 offensichtlich nicht. Für Unternehmen und Influencer-Kampagnen soll klar sein: Finger weg von künstlichem Beifall. Dieser verfehlt in den meisten Fällen ohnehin seinen Zweck.

Es erscheint vielleicht verlockend, ein paar Likes und Pseudo-Begeisterte zu erwerben, statt kontinuierlich Ressourcen in die Social-Media-Pflege zu stecken, doch hinter dem leicht generierten Hype verbirgt sich nicht das gewünschte Publikum. Vor allem Blogger leiden unter dem Druck, nur mit einer großen Schar Fans attraktiv zu sein. Um zum Influencer zu avancieren und Unternehmen auf sich aufmerksam zu machen, greifen instagram-cell-phone-tablet-device-163148viele zu den verlockenden Follower-Angeboten. Blogger sollten diesem Geltungsdrang, Unternehmen wiederum Profilen mit allzu raschem Wachstum widerstehen. Denn die künstlich erzeugte Resonanz verfehlt in letzter Instanz, was Influencer-Kampagnen so attraktiv macht: Den unmittelbaren Kontakt mit einer interessierten Zielgruppe. Die richtige Präsentation von der richtigen Person, schafft eine Identifikation mit dem Produkt, wie sie andere Werbemaßnahmen kaum erreichen können. Ob neue Sonnenbrille oder Lieblingsfluglinie – vorgestellt von der persönlichen Ikone, wirkt vieles inspirierend. Und genau diese Inspiration suchen gekaufte Follower nun einmal nicht. Auch wenn eine hohe engagement-rate eine potentielle Kaufbereitschaft signalisiert, haben die Kontakte doch keinerlei echtes Interesse am Blogger, geschweige denn an den dargestellten Kampagnen oder Produkten. Der finanzierte Gänsemarsch schafft keine Kunden, wenn sich hinter Herzchen und Smileys am Ende keine begeisterte Person befindet. Hinzu kommt, dass sich die Preise für Kooperationen mit Influencern häufig nach der Anzahl der Kontakte richten – unabhängig davon, wie viele der Interaktionen lediglich Interesse heucheln. Für Firmen, die sich kein detailliertes Bild von ihren zukünftigen Partnern machen, drohen hier also derbe Enttäuschungen.

Es lohnt sich daher, auch einmal kleineren und dafür ehrlichen Bloggern die Chance zu geben sich zu profilieren. Deren Accounts sind zumeist organisch gewachsen und keine gigantischen Luftschlösser, wie es beispielsweise der Account von ChiragChirag78 war. Zwar konnte er zeitweise rund 3,7 Millionen Follower vorweisen, echt waren hiervon trauriger Weise die wenigsten. Nach der ersten Ban-Welle blieben ihm lediglich acht.

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