DENKBAR weltweit #5

DENKBAR weltweit #5

Wissenswertes aus der Kommunikations- und Marketingwelt, beobachtet von unserem „Außenkorrespondenten“ Holger Post. Heute: Drückermethode im Verkaufsmarketing.

Meine erste Timesharing-Erfahrung in Mexiko: Das in Europa zurecht arg in Verruf geratene Timesharing (Ferienteilzeiteigentum) scheint in Mexiko immer noch voll angesagt zu sein. Ich komme damit in Puerto Vallarta am Pazifik zum allerersten Mal in Kontakt. Nach einer Whalewatching Tour fragt mich ein Promoter des Tourenveranstalters, ob ich Zeit hätte und eine hübsche Hotelanlage sehen möchte, dort kostenlos Lunch essen möchte, eine Flasche Tequila möchte und am Abend noch kostenlos zur Artistik-Show ins Theater möchte. Ich müsse nur die Verkaufsversuche des Hotelanbieters über mich ergehen lassen, kann aber problemlos immer ablehnen. Da ich nichts Weiteres vor habe. Stimme ich zu – und schon sitzen wir zusammen im Taxi zur Vidanta-Luxus-Hotel-Anlage in der Bucht von Puerto Vallarta; jedoch weit weg von jeglicher Urbanität und irgendwie mit arg hässlichen Bettenburgen.

Ich erhalte an der Hotelrezeption ein VIP-Sales-Tages-Bändchen und dann kommt ein Verkäufer nur für mich und wir gehen erst mal gemeinsam. Er erkundigt sich, wer ich so bin und ich erzähle von meinen Backpacking-Touren, die natürlich überhaupt nicht hier ins Ambiente der Anlage passen. Egal – er erläutert mir, wie super hier alles ist und ich mir das alles für fast nix auch leisten könne. Er zeigt mir ein paar Luxuszimmer mit Aussicht, dass hier demnächst Cirque du Soleil einen Themenpark errichtet und selbst Bill Gates in der Nähe ein riesiges Grundstück gekauft hätte und am Ende (nach ca. 2 Stunden) will er mir ausrechnen, wie ich mir das alles auch leisten könne, denn über eine „Time Share Real Estate Membership“ würde ich 1/9 eines Luxus-Appartements lebenslang erwerben können und müsse „nur“ einmalig 89.000 US$ zahlen (die Summe ist natürlich auch finanzierbar) und dann nur noch die Unterhaltskosten (keine Ahnung, wie hoch die sind und konkret werden diese auch nicht kommuniziert) und könne dann ein Leben lang jährlich zwei Wochen in diesem Appartement für nur 299 US$ pro Woche Urlaub machen (zzgl. Essen, Unterhaltung, Transporte, was hier in der abgelegenen Gegend nicht wenig sein würde) und weitere vier Wochen in Partneranlagen zum gleichen Wochenpreis urlauben können und natürlich mit meinem Appartementanteil auch noch Geld verdienen würde und, und, und … (man sieht nicht wirklich durch, aber das soll man auch nicht, weil ja alles soooo toll ist). Ich habe nach dem nunmehr 2,5 Stunden-Gespräch habe ich langsam echt genug und insistiere auf Abbruch, da ich nie im Leben irgendetwas hier investieren werde und er versteht natürlich nicht, wie ich mir so was Tolles entgehen lassen kann.

Ich will nur noch weg, zeige ihm mein halb zerrissenes T-Shirt und frage, was er denkt, welchen Lebensstil ich wohl führe und „Keine Verpflichtungen und kein Besitz“ die größte Freiheit für mich sind, was ich nicht aufgeben werde, um hier irgendeine (unseriöse) Mitgliedschaft einzugehen. Er ist uneinsichtig (was Teil der Verkaufsstrategie ist) und kommt mit immer neuen „Vorteilen“ und Beispielen: denn mein Netflix-Abo wäre ja auch eine Verpflichtung und eine schöne noch dazu. Als ich ihm sage, dass ich noch nie Netflix geschaut habe, geschweige irgend so ein Abo habe, gibt er ungläubig auf und übergibt mich dem nächsten Typen, der dann mit dem nächsten, noch günstigerem Mitgliedsschafts-Paket um die Ecke kommt. Als dann auch er aufgibt, kommt der nächste und das nächste, noch günstigere Paket und … am Ende versuchen insgesamt fünf Verkäufer mir doch noch irgendetwas zu anzudrehen und wir waren dann bei 3.750 US$ für irgendeine Art Soft-Mitgliedschaft (ohne Eigentum, aber natürlich trotzdem super Vorteilen, die man aber auch nicht mehr verstehen kann …). Ich lehne ständig ab und werde ungehalten, da mittlerweile bei den Angebots-Paketen jede Art von seriösem Schein abhandengekommen ist und denke schon, dass sie mich die 10 km zurück zur Stadt laufen lassen. Aber zum Abschluss nach etwa 3 Stunden Ohr abquatschen, bekomme ich doch noch die Flasche Tequila, einen Schwachsinns-Gutschein für 2 Wochen „kostenlosen“ Aufenthalt in einem der Ressorts des Anbieters (zzgl. 2 x 125 US$ Registrierungsgebühr + täglich 5 bis 40 US$ Gebühren und Steuern + Verzehr und Transporte vor Ort), meinen Gutschein für die mittlerweile schon angefangene Artistik-Bühnenshow im Zentrum von Puerto Vallarta und ein paar Pesos Cash für das Taxi zurück und ich verlasse genervt aber erleichtert die Hotelanlage Richtung Innenstadt.

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